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Johanna de Schirreve : Von den Toten auferstanden

Dieser Fall ist schockierend wie rätselhaft zugleich. Dass ein verstorbenes Familienmitglied oder ein guter Bekannter nach seinem offensichtlichen Ableben wieder zurück ins Leben schreitet, ist die völlige Ausnahme. Wenn ein Mensch in unseren Kreisen heutzutage verstirbt, dann muss dies in der Regel von einem Arzt bestätigt werden. Der ermittelte klinische Tod, also das Erliegen des Kreislaufs einer Person, sollte ein Erweis dafür sein, dass es nun um einen geschehen ist. Endgültig. Früher aber war die Handhabung, den Tod festzustellen, anders geregelt. Ein typisches Beispiel ist der fehlende Hauch an einem Spiegelstück, der vor der Mund- oder Nasenöffnung des Betroffenen gehalten wird, oder ein rigoroses Abkühlen des Körpers, wobei der Betroffene zunächst in eine Art Dämmerzustand oder Koma fallen kann.

 

Die damalige Bevölkerung war noch nicht sehr versiert und konnte deshalb nur oberflächliche Beschauungen durchführen. Ob alle Fälle aus vergangener Zeit von liebgewonnenen oder erzürnten Verwandten handeln, die als Wiedergänger in Erscheinung traten durch Fehldiagnosen erklärbar sind, ist fraglich. Was sich 1282 in Mauvdin, Bistum Hereford in England ereignete, lässt sich nur schwer erklären. Die 5-jährige Johanna de Schirreve ertrank bei einem tragischem Unglück in einem Fischteich nahe einer Bierwirtschaft des Ortes. Mitte April wurden die Tage wieder spürbar wärmer, weshalb sich Johanna an jenem schicksalhaften Sonntag nach draußen zum Spielen begab.

 

Die Mutter des kleinen Mädchens erfuhr erst Stunden später von dem Tode, als die Sonne bereits Unterging. Die hochschwangere Frau und die Patin des verstorbenen Kindes rannten zu der Verstorbenen, die am Ufer des Teiches in einem Tuch gehüllt war. Die Chronik des Ortes beschrieb den Moment und den Anblick, der sich den Menschen vor Ort bot, als das Tuch umgeschlagen wurde. Die Leiche war sichtlich aufgedunsen, die Augen quollen hervor und die Zunge lugte lila-schwarz farben hervor.Das Kind war kaum wieder zuerkennen. Die Eltern beklagten zutiefst den Verlust. Die Dorfgemeinschaft, wie auch die Verwandten beteten den heiligen Thomas von Hereford an, ein Wunder zu vollbringen.

 

Man versuchte das überschüssige Wasser aus dem leblosen Körper herauszupressen. Mehrere Liter waren es. Die sterbliche Hülle der Kleinen de Schirreve wurde nach Hause zu den Eltern getragen. Der Wunsch der Mutter war, dass ihr lebloses Kind eine Nacht neben ihr liegen sollte, damit sie abschied nehmen kann. Der Bitte kam man nach und der kalte, klamme Leichnam wurde im Bett der Mutter niedergelegt. Am nächsten Morgen verspürte die Frau ein leises Atmen neben sich. Beinbewegungen folgten. Johanna de Schirreve war wieder am Leben. Sie erbrach sich und machte einen erschöpften Eindruck. Sie antwortete auf diverse Fragen und konnte sich bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie das Bewusstsein verlor, haargenau erinnern.

 

Was genau war geschehen? Nun, allgemein gilt die Grenze, ab der man unrettbar ertrunken ist, bei 25 Minuten. Es gibt aber genügend Fälle, bei denen die Betroffenen über 25 Minuten keine Sauerstoffzufuhr erhielten und dennoch unbeschadet wiederbelebt wurden. Dabei existiert die Annahme, dass gerade Kinder bedeutend länger ohne Sauerstoff auskommen, als Erwachsene. So war ein 4-jähriger Junge aus Neuseeland bereits 2 Stunden tot, als man ihn wieder zurück ins Leben holte. Wichtig scheint hierbei zu sein, dass der Körper genügend Restsauerstoff besitzt und sich die Umgebungstemperatur unter 10 Grad Celsius befindet. Der Körper setzt all seine Funktionen krass herab, was ihn dann erlaubt, länger reanimierbar zu sein.

 

Im Falle von Johanna de Schirreve scheint aber tatsächlich ein unverhofftes Wunder geschehen zu sein. Ein fachmännischen Wiederbelebungsversuch gab es nicht und das kleine Mädchen muss laut Aussage schon mehrere Stunden klinisch Tod gewesen sein. Die bildliche Beschreibung der Toten gibt zu verstehen, dass sich der Körper in einem irreparablen Zustandes befand. Also kurz gesagt: Sie war ziemlich tot. Ob die verzweifelten Versuche, das Wasser aus dem Körper zu bekommen, zu einer Art Wiederbelebung geführt haben, scheint da noch die gängigste Theorie. Oder war die ganze Schilderung übertrieben und Johanna war nur ins Koma gefallen? Noch gar nicht verstorben? Es soll früher nicht sehr selten vorgekommen sein, dass mutmaßlich tote Menschen schnell unter die Erde gebracht wurden und in einem Alptraum wieder erwachten. Dazu gibt es viele Fälle, wo Wiedergänger erscheinen, obwohl sie doch tief vergraben wurden...

 

 

Carsten

05.01.2019

Hörbericht