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Überblick

 


Die Katakomben Odessas, Mascha Hoax [1971]

Bei urbanen Legenden ist grundsätzlich eine gesunde Portion Skepsis geboten. Gerade dann, wenn man über Begebenheiten spricht, dessen Quelle umstritten ist, und als ungesichert gilt. Die Katakomben von Odessa spiegeln einen solchen Hergang perfekt wieder. Fakten und Zudichtungen vermischen sich. Gesicherten Informationen ist es schwierig her zu werden. Dazu kommt, dass sie in diverse Richtungen gehen. Betrachten wir aber erst einmal die Begebenheit, hinter diesem Ort.

 

Fakt ist, dass sich in Odessas verwirrendemTunnelsystem tragische Unfälle ereignet haben. So haben sich beispielsweise schon mehrere Menschen verlaufen, da sie sich von der Reisegruppe entfernt haben. Sich anschließend entweder auf eigene Faust dort Zugang verschafft haben oder, und das scheint mehreren Quellen nach auch eine Möglichkeit zu sein, von irgendwelchen Aktivitäten tiefer in die Tunnel gelockt wurden. In solch eine Situation möchte man als normaler Mensch lieber nicht geraten. Denn auch wenn sich der Weg abseits des Pfades gemerkt wird, sieht ein Gewölbe auf dem Hinweg anders aus, als auf den Rückweg. Die Sinne spielen einem einen Streich. Wer keinen kühlen Kopf bewahrt, verläuft sich und findet nicht mehr ans Tageslicht.

 

Gerade jüngere Menschen haben sich in den Katakomben verlaufen. Das Licht der Lampe erlosch irgendwann, und dann starben sie an Entkräftung und Unterkühlung in völliger Dunkelheit. Hierbei kann noch von einem natürlichen Hergang gesprochen werden. Von solchen tragischen Unfällen wissen viele komplexe Höhlensysteme zu berichten. Leichen werden erst viel später, teils schon hochgradig mumifiziert, entdeckt. Der Name Eugene Lata fällt ziemlich oft im Zusammenhang mit Odessas neun Stöcke tiefen Gängen. Er ist ein ukrainischer „Entdecker“ und versorgte das Internet mit Allerlei Neuigkeiten, über verschiedene Opfer in der Höhle.

 

Der Wohl bekannteste, aber auch umstrittenste Fall ist hierbei jener der etwa 30 Jahre jungen Mascha, die für einen 3-tägigen Ausflug 1971 in die Stadt kam. Ihr Wohnort, so die Quellen aus dem Internet, befanden sich auf der Krim. Mascha soll ca. 2 Meter groß, ledig und kinderlos gewesen sein. Sie war mit einer Reisegruppe unterwegs in den Bereich der Höhle, in dem sich die ukrainischen Partisanen im 2. Weltkrieg gegen die deutsche Besetzungsmacht stellten. Nach den Internetquellen soll sie sich am Ende der Gruppe befunden haben. Plötzlich hörte sie ein Kind, womöglich einen Jungen, in einem Seitengang weinen. Sie ging diesem Geräusch hinterher, nährte sich diesem und verspürte einen Schlag an dem Hinterkopf.

 

Drei Tage soll die junge Frau in den Gängen herum geirrt sein, bis sie im Höhleneingang auf eine andere Reisegruppe stieß. Im Internet heißt es, dass die lokalen Zeitungen über ihr Verschwinden berichteten und eine Suchaktion stattgefunden hat. Dazu ist jedoch keine authentische Schrift oder Abbildung zu finden, die das bestätigen könnte. Wie dem auch sei, sollte sich Mascha zurück an der Oberfläche sehr merkwürdig verhalten haben. Sie sprach sehr zögerlich und dann auch erst recht nicht über das Geschehene. Das Verwirrende an der ganzen Geschichte war, dass sie unerwartet schwanger wurde, obwohl sie keinerlei Geschlechtsverkehr kurz vor wie nach dem Geschehenen hatte.

 

Nach einer unüblich kurzen Schwangerschaft soll Mascha einen Jungen zur Welt gebracht haben, der sich von der Verhaltensart und Entwicklung sehr stark von den anderen Kindern unterschieden haben soll. Er hatte laut mehreren Quellen autistische Züge, lernte sehr schnell Sprechen wie Schreiben. Die Informationen anderer Schriften sagen, dass er mit jungen Jahren studierte. Um es abzukürzen, in vielen Texten wird er als überaus intelligent dargestellt, intelligenter, als seine Mitstudenten. Mit 23 soll der Sohn Maschasebenfalls die Katakomben Odessas besucht haben und unter mysteriösen Umständen auf immer verschwunden sein...

 

Drei Indizien, die klar gegen diese Geschichte sprechen. Erstens: Eugene Lata als Quelle

 

Lata beschrieb in seinem Blog, wie die vermeintlich zweifellos existente Mascha sich in den Katakomben verlief und mit hoher Wahrscheinlichkeit verstarb. Der Höhlenforscher erläuterte ebenfalls, dass Mascha mit einer Gruppe von jüngeren Leuten sich in die Katakomben Zugang verschaffte, als sie gerade von einem Club auf dem Rückweg zum Hostel befanden. Laut Eugene Lata besteht das Mysterium nur darin, dass ihr Leichnam nie gefunden wurde, obwohl die Höhle seit 2013 als nahezu erkundet galt. Von dieser Quelle, in der erwähnt werden sollte, dass es die einzige ist, die als Urquelle herangezogen werden kann, war niemals von einer Schwangerschaft die Rede.

 

Zweitens: Zu viele Quellen, zu viele Aussagen

 

Alle Quellen, die während der Recherche durchleutet wurden, sagen viele verschiedene Begebenheiten aus. Ab einem gewissen Punkt beschreibt eine, dass Mascha Weinen hörte in den Gewölben. In der anderen, dass sie K.O. geschlagen und schwanger wurde. Alle Berichte und Videos, die danach veröffentlicht wurden, nehmen diese Quellen und machen den Anschein, dass sie einem nur eine gute Gruselgeschichte erzählen wollen. Letzten Endes macht es somit alle Quellen, die zu diesem Thema gefunden werden, obsolet und unglaubwürdig.

 

Drittens: Es gibt keine Beweise

 

Wir von Mystery Facts sind immer bemüht Fälle ausfindig zu machen, die auch glaubwürdige Quellen besitzen. Heißt Augenzeugen, die existierten, wie Beamte, die diese Aussagen festhielten und mehrere Quellen, die bei den Fakten verharren sind für uns unabdingbar. Bei dem Fall Mascha und den Katakomben von Odessa gibt es keine verlässlichen Augenzeugen, Schriftstücke von zeitgenössischen Beamten oder Medien und keine Quellen, die immer die gleiche Aussage tätigen. Es ist und bleibt unschlüssig und unglaubhaft.

 

Dieser Fall ist eine urbane Legende, die leider wegen Mangel an Beweisen, eine nette Geschichte bleiben wird. Und dennoch gibt es die Fälle, in denen junge Frauen sich in einer diffusen Situation befinden, eine unerwartete Schwangerschaft erfahren und ihr Säugling auf mysteriöse Art und Weise verlieren. Und für besagte Begebenheiten gibt es auch verschiedene Belege, die das Geschehene untermauern. Kursierende Fälle wie die von Mascha sind Gift für Vorkommnisse, die zwar vermeintlich weniger ausgeschmückt sind, aber dafür belegbar sind. So müssen Fälle wie diese erörtert werden, auch wenn sie als Fälschung enttarnt werden. Fairer Weise können aber auch wir von Mystery Facts letzten Endes nur unsere Schlüsse draus ziehen, was die gefundenen Quellen hergeben. Ob es in Odessas Katakomben wirklich mit rechten Dingen zugeht, können wohl nur Menschen sagen, die tatsächlich dort waren, oder es auch aktuell sind.

 

 

Carsten

11.10.2018

Hörbericht


Mr. Lang verschwunden-alles nur erfunden

[Bild: www.pixabay.com]
[Bild: www.pixabay.com]

Sagt euch der Name David Lang etwas? Nein? Vielleicht im Zusammenhang mit dem Worten: spurlos verschwunden? Wir selbst haben diese Geschichte lange Zeit nicht eindeutig als Fälschung offenbart und uns deshalb nur karg dazu geäußert. Nun, durch die öffentlichen Informationen zu diesem Vorfall, können wir dies eindeutig abändern.

 

Kurze Zusammenfassung des Vorfalls.

 

23. September 1880, Tennessee

 

David Lang, von Beruf Farmer, soll auf einen seiner Felder, welches nicht weit von seiner Farm entfernt war, spurlos verschwunden sein. Er stampfte also über das Feld, löste sich währenddessen in Luft auf und Familie und Bekannte sahen alles mit an.

Dieser Vorfall ist frei erfunden. Dieser Erkenntnis haben wir zwei Herren zu verdanken. Oktober 1976 wollten es Robert Forrest und Hershal G. Payne nämlich ganz genau wissen. Durch die Bücher von Frank Edward (Stranger Than Science von 1958), Harold T. Wilkins (Strange Mysteries of Time and Space von 1958) und einen Magazin Artikel von 1953, in denen der Vorfall ebenfalls als realer Vorfall beschrieben wird, hatte Forrest von der Geschichte erfahren und durchsuchte kurze Zeit später die öffentlichen Aufzeichnungen der Bibliothek in Tennessee (Gallatin). Hershal G. Payne, Angestellter der öffentlichen Bibliothek in Nashville, wurde auf Forrest aufmerksam und es kam heraus, dass auch er lange Zeit den Vorfall untersucht und diverse Quellen abgeglichen hatte. Dabei konnte er nie Beweise für die Existenz eines Herr Lang, in der genannten Zeit und in dem Ort, finden. Auch ein Zeuge des angeblichen Vorfalls namens Judge Peck hat nie existiert bzw. es gab auch über ihn keinerlei Aufzeichnungen. Doch Payne wollte es eben ganz genau Wissen und fragte ebenfalls einen Historiker des Ortes Sunmer County und Angestellte der Bibliothek in Gallatin. Jedes Mal die gleiche Erkenntnis: es hat nie eine Familie Lang existiert. Ein Historiker ging sogar noch weiter und bewies, anhand von Unterlagen, dass selbst die Farm nicht existiert hatte. Payne ließ auch hier nicht locker und wollte sich selbst ein Bild vor Ort machen. Tatsächlich war weit und breit keine Farm oder zumindest Spuren einer Ruine zu entdecken. Er befragte ebenfalls Zeitungs- und Literaturforscher aus der nahen Umgebung und auch diese waren sich alle einig: der Vorfall muss eine Fälschung sein.

 

Payne hatte eine andere Theorie für die Entstehung der Geschichte. Ein damaliger reisender Verkäufer, namens Joe Mulhatten, war in den 1880er in der Gegend und erzählte für sein Leben gern spannende, jedoch frei erfundene, Geschichten. Er nahm sogar an einem ansässigen Lügenwettbewerb teil. Also zählte Payne eins und eins zusammen und stellte daraufhin die Theorie auf, dass die Geschichte wahrscheinlich von dem Verkäufer stammt und dadurch lange Zeit geglaubt und weitererzählt wurde.

Über den Vorfall wurde ebenfalls in dem damaligen FATE-Magazin im Jahre 1953 groß berichtet. Das Magazin bezog sich wiederum auf Dokumente von einem gewissen Stuart Palmer.

 

Stuart Palmer gab an, Dokumente über den Vorfall direkt von Sarah Lang, der Tochter von David Lang, zu besitzen, welche sogar zum eindeutigen Beweis von einem Notar eidesstattlich unterschieben waren.

 

Nach den Veröffentlichungen von Robert Forrest und G. Payne, setze ein gewisser Robert Schadewald alle Hebel in Bewegung und führte selbst viele Untersuchungen durch, welche alle zu einem Ergebnis kamen: die Dokumente von Stuart Palmer waren gefälscht. Dies konnte man anhand seiner Handschrift und der Unterschrift ausmachen. Es handelte sich um ein und dieselbe Handschrift und außerdem war kein Notarsiegel, sonst üblich, vorhanden. Man verglich die Schrift mit Palmers Handschrift. Es war eindeutig seine eigene. Also wieder eine offensichtliche Fälschung.

 

Um der Lügen ein für alle Mal den Gar aus zu machen, veröffentliche das FATE-Magazin, im Dezember 1977, einen Artikel mit dem Titel „David Lang verschwindet…für immer“. Dort gaben sie die Beweislage bekannt und entschuldigen sich ebenfalls öffentlich dafür, dass sie den 24 Jahre zuvor gedruckten Artikel von Stuart Palmer ohne Überprüfung geglaubt und fälschlicherweise gedruckt hatten.

 

Stuart Palmer selbst könnte die Geschichte aus einem anderen Buch, von Ambrose Bierce, gestohlen haben. In diesem gibt es eine ähnliche Geschichte mit dem Titel „Die Schwierigkeit, ein Feld zu überqueren“. Ein eindeutiger Beweis, woher er diese Lügen genau kopiert hat, ist dies jedoch nicht.

 

Joe Nickell stellte dann später noch in Frage, dass kein eindeutiger Beweis für die Existenz von dem Reisenden Joe Mullhatten existieren. War die Geschichte also sicher von ihm oder hatte auch dieser Mann gar nicht existiert? Nickell stellte also ebenfalls Nachforschungen an und fand heraus, dass in der Tat ein Joseph M. Mulholland existiert hatte. Auch dieser Mann soll gerne Geschichten geschrieben und verbreitet haben. Wurde wohl möglich bereits hier eine Lüge zu seiner Person gesponnen und er Name einfach ein wenig umgeändert? Auch hierzu keine eindeutigen Beweise, aber doch offensichtliche Zusammenhänge und damit Vermutungen.

 

So oder so. Die Geschichte hält sich auch heute noch hartnäckig. Fakt ist: nachweisbar hat es die Protagonisten nie gegeben, genauso wenig wie die Farm selbst.

Mythen und Legenden sind meistens ausgedachte Geschichten, welche den Zuhörer vor etwas warnen soll oder eine Weisheit beinhaltet. Diese Geschichten haben meist kein Datum, keine genaue Ortsangabe und/oder auch keine Personennamen. Deshalb sind diese noch relativ leicht zu wiederlegen. Doch wenn ein Vorfall ein Datum, Ort und sogar Personennamen aufweist, ist es ein wenig schwieriger und viele hinterfragen diese Informationen nicht. Zumal es natürlich einfacher und auch viel spannender ist die Geschichte einfach zu glauben.

 

Beweise und Dokumente zu durchforsten und diese dann auszuwerten ist mit einer Menge Arbeit verbunden und ist somit keine einfache und keine gern gesehene Aufgabe. Wofür auch? Zum Wiederlegen einer kleinen, ausgedachten Geschichte? Selbst wahre Erlebnisse mit UFOs, Geistern oder sonstigen Erscheinungen haben nie eindeutige Beweise, wie z.B. die Geburtsurkunde des gesichteten Aliens oder den Fingerabdruck des Geistes. Man sollte allen übernatürlichen Vorfällen natürlich kritisch gegenüberstehen, aber dennoch eindeutigen Beweisen, zu übernatürlich Existenzen oder Vorfällen, dann bitte auch widerstandslos glauben. Das menschliche Unterbewusstsein bekommt bei solchen unkontrollierbaren Dingen einfach Angst und die natürliche, menschliche Reaktion darauf ist Verdrängung. Verdrängung um jeden Preis. Allen Anschein nach ist es wohl immer noch leichter einer Lüge zu glauben, als etwas Übernatürlichem sein Glauben zu schenken. Es sei denn es handelt sich natürlich um Gott selbst, da hat niemand Angst und keiner wird deswegen weggesperrt.

Über das eine sieht man kopfschüttelnd hinweg, bei dem anderen steckt man dich kopfschüttelnd weg.

 

 

Carolina

24.09.2019    

Hörbericht