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Zufall x 3

Wenn alle Stricke reißen, was bleibt dann noch übrig? [Bild: www.pixabay.com - bykst]
Wenn alle Stricke reißen, was bleibt dann noch übrig? [Bild: www.pixabay.com - bykst]

 Diese Sage handelt von einem zu Unrecht verurteilten Mann und seinem Schicksal.

September 1803, Australien: Zur falschen Zeit am falschen Ort? Ein Mann wurde, wegen eines Einbruchs und einem dabei getöteten Polizisten, zum Tode verurteilt. Da der Beschuldigte am Tatort aufgefunden wurde, musste es sich um den Täter handeln. Keiner der Geschworenen oder Richter, hegte dagegen einen Zweifel. Also war das Urteil schnell gefällt: Tod durch Erhängen.

Auch die Menschenmenge hatte nun einen Schuldigen. Unter dem Gejohle der Menge, brachte man den angeblichen Täter zur Hinrichtungsstätte. Da bei dem Vorfall ein Polizist ermordet wurde, wollte sowohl das Volk, als auch der Richter, schnell den Tod des Mordverdächtigen. Man verlor keine Zeit. Die Menge beschimpfte und bewarf den Beschuldigten, auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte. Ein Balken war zwischen zwei großen Bäumen befestigt und an eben diesem Balken hing ein Strick. Ältliche mussten schon an diesem Balken, vielleicht sogar am gleichen Strick, ihr Leben lassen und nicht immer waren es nur Schuldigen gewesen. Manchmal ging es schnell, manchmal zog es sich über Minuten hin. Entweder man hatte Glück und das Genick brach gleich oder man hatte Pech und musste elendig, durch das würgende Seil, ersticken. Das Volk mochte den längeren Leidensweg, so hatten sie immerhin etwas zu bestaunen. Die Hinrichtung stumpfte das Volk ab und auch Kinder waren bei der Hinrichtung keine Seltenheit.

Der Komplize des zu Tode verurteilten, sollte der Exekution beiwohnen. Der angebliche Mörder stand auf einen Karren, der direkt unter dem Balken stand. Der Henker wollte gerade auf den Karren dazu steigen, um den Strick fest am Hals des Mörders zu befestigen, als der Mann um einige, wenige letzte Worte bat. Man war gnädig und gewehrte ihm diesen letzten Wunsch. Er gab zu den Einbruch begannen zu haben, schwor jedoch mit dem Mord an dem Polizisten nichts zu tun zu haben. Der wahre Schuldige dafür, befände sich an seiner Seite.


Kurz wurde es ruhig unter den Anwesenden. War es möglich, dass etwa der falsche Beschuldigte dort oben stand oder war das im Endeffekt nicht auch völlig egal? Die Menge wurde ungeduldig und alle wollten einen Schuldigen tot sehen. Da war der Verdächtige, der immerhin schon auf dem Karren stand, die gemütlichere Lösung, anstatt den Fall noch einmal neu zu untersuchen.


Der Offizier gab dem Henker das Zeichen und dieser zog dem Verdächtigen das Seil fest um den Hals. Danach gab man dem Pferd, das vor dem Karren gespannt war, einen heftigen Peitschenhieb, worauf es davon lief. Die Menge hielt dem Atem an. Der Mann baumelte kurz hin und her, doch dann riss das Seil in zwei.


Schnell wurde ein neues Seil heran gebracht. Der Beschuldigte wurde bei dem Sturz jedoch an den Beinen verletzt und so setzte man ihn auf ein Fass, welchen auf dem Karren stand.
Und wieder gab man dem Pferd einen Peitschenhieb. Der Gaul rannte los, doch wieder löste sich das Seil. Der Verdächtige landete, fast elegant, auf seinen Füßen.

Langsam wurde die Menge ungeduldig, schrie und beleidigte die Soldaten. Da nun kein Seil mehr zur Stelle war, nahm man einfach das alte Seil und band es mit einem Knoten wieder zusammen.
Der Mann hatte etliche Blessuren von den vorigen Versuchen davon getragen, doch er wurde erneut auf den Karren gesetzt. Man wollte das Urteil unbedingt durchsetzen, damit die Menschenmenge beruhigt war und die Situation nicht eskalierte.

Wieder gab man dem Pferd einen Peitschenhieb. Doch wieder einmal riss das Seil, knapp über dem Hals.
Das Volk wurde laut, es gab Gedränge und die ersten Gegenstände flogen durch die Luft. Damit das Volk nun keine Selbstjustiz an dem Gefangenen übte und diesen vermutlich noch tot prügelte, brachte man ihn kurzerhand zurück ins Gefängnis.


Der Richter, der durch die ständigen Zufälle doch etwas misstrauisch geworden war, orderte eine neue Untersuchung des Falls an. Dabei kam heraus, dass der Mann tatsächlich unschuldig war und die Wahrheit sprach. Sein Komplize, der während der ganzen Prozedur an seiner Seite stand, war der eigentliche Schuldige. Nun verurteilte man diesen zum Tode und tatsächlich gestand er nun auch alles.

Der Unschuldige wurde frei gelassen und von der Menge bejubelt. Doch sein Glück hielt nicht lange an, denn er wurde Rückfällig. Er brach wieder einmal in ein Anwesen ein und stahl dort einen teuren Gegenstand. Von der Polizei verfolgt, sprang er aus dem Fenster des Hauses und wollte flüchten. Der angrenzende See, schien für die Flucht perfekt. Der See war zugefroren, doch die Schicht war zu dünn und konnte den Mann nicht tragen. Er brach ein und ertrank.

Es gibt immer wieder, täglich und überall auf der Welt, solche Zufälle. Natürlich ist der damalige Dieb schon ein ziemlicher Glückspilz, wenn das Seil, welches sein Genick brechen sollte, gleich dreimal riss. Nur dadurch wurde sein Fall neu aufgerollt und er die Wahrheit kam ans Licht. Zu dumm nur, dass er aus diesem Vorfall und dem damit nur knapp entkommenden Tod nichts lernte. Vielleicht hat der Tod selber hier einen oder auch drei Fehler begangen und später, durch den endgültigen Tod des Mannes, das Gleichgewicht wieder hergestellt oder war es das Schicksal, welches jedem eine zweite Chance zu geben scheint? Der Mann hatte den Mord an den Polizisten nicht begangen und wäre damit zu Unrecht ermordet worden. Vielleicht der Hinterbliebene Geist des Polizisten, der sich nur mit dem Tod des Schuldigen zufrieden gab? Genützt hat es dem Dieb, am Ende, nur ein paar Monate mehr vom Leben.


Carolina
12.08.2013

Hörbericht


Die Fuchsgeister

Sind es Geister von Menschen oder Füchsen? Sind sie gute oder böse Geister? Vielleicht Schutzgeister der Wälder?
Sind es Geister von Menschen oder Füchsen? Sind sie gute oder böse Geister? Vielleicht Schutzgeister der Wälder?

Die sagenumwobenen Waldgeister, die die Menschen sich schon seit Anbeginn der Zeit vorstellen, zeigten sich oft in Tiergestalt. In Europa bis Asien war der Fuchs meist das Geschöpf, dass die Gesundheit eines Waldes widerspiegelte. Der Fuchs, in seiner Gewandtheit und Schlauheit, hat den Menschen immer Glück und Freude gebracht. In Europa war der Fuchs bis zum 19. Jahrhundert das Symbol des Waldes, bis dieser aus der Sagenwelt verschwand. Er beschützte die Leute und führte sie aus dem Wald, wenn sie sich verirrten. In Asien war die Sagenwelt etwas anders als in Europa. Gerade in Japan wurde darauf gepocht, dass der Fuchs den Menschengeist verwirre, sodass man in nicht mehr ernst nehmen konnte.

 

Die Fuchsgeister, wie man sie in Japan nennt, seien immer auf der lauer nach Menschen, die traurig oder wütend sind. Die Fuchsgeister machten diese wieder Glücklich. Sie tanzten umher und stellten allerlei Blödsinn an. Der betroffene Menschen wird nach einiger zeit seltsam. Die anderen Menschen sehen die Geister nicht, sondern nur der, der “auserwählt“ ist. Die Vorboten solcher merkwürdigen Begebenheiten, laut japanischer Legende, sollen Schatten von Füchsen sein, die aufrecht umher liefen. Gekicher soll auch laut Schriften zu hören sein, bevor einer von der Opfer übernommen wird. Man kann die Menschen, die Bekanntschaft mit Fuchsgeister machen, wohl wirklich als bemitleidenswerte Opfer beschreiben.

 

Denn die Fuchsgeister haben nämlich einen gewissen Einfluss auf den Menschen. Die Verwanden und Freunde des Betroffenen merken, dass dieser anscheinend mit sich selber redet, ab normal viel isst und sich sorgen macht, dass sein Gesicht zu lang wird. Außerdem spiele der Betroffene auch plötzlich Musik, und beobachtet die Fuchsgeister, die umher Tanzen. Bei solchen emotionalen Situationen erkennen die Beteiligten im Raum, dass schemenhafte Figuren umher tanzen. Nach dem die Verwandtschaft oder der Freundeskreis genug gesehen hat, um zu wissen was vor sich geht, ziehen sie einen Priester zu rate. Dieser Vorgang hat gewisse Ähnlichkeit mit einem Exorzismus. Der, der in der Gewalt der Fuchsgeister ist, muss gereinigt werden.

 

Er dürfte nichts mehr essen, ihm werden Löcher in die Brust gebohrt und sein gesamtes Haus wird gesegnet. Diese Tortur war meist Tödlich, denn die betroffene Person redete meist weiter zusammenhangslosen Blödsinn, auch wenn sie gereinigt wurde. Bis zum 20. Jahrhundert waren solche Fälle in ganz Japan an der Tagesordnung, bis auch diese verschwanden. Die meisten, die besessen waren von den Fuchsgeistern, starben oder zogen weg. In wenigen Fällen ging es den Betroffenen sogar besser. Die verlassenen Häuser blieben meist leer, auch wenn sie zu einem niedrigen Preis verkauft werden sollten. Die Menschen, die in unmittelbarer Nähe solcher Häuser wohnten, sahen manchmal in der Nacht, wie die zurückgelassenen Fuchsgeister auf dem Hausdach herumsaßen und ihre Augen mit den Pfoten verdeckten.

 

Man glaubte, dass sie auf den nächsten warteten, der unglücklich oder wütend ist. Sind diese Geschöpfe menschliche oder tierische Geister? Diese Frage lässt sich nicht genau beantworten. In Europa wurden diese “Fuchsgeister“ als gute Seele des Waldes gesehen. Es gibt in Mitteleuropa und Südeuropa überlieferte Geschichten, wo verirrte Kinder von Füchsen zurück in die Dörfer gebracht wurden. Die Fuchsgeister schienen immer dann aufzutauchen, wenn negative Emotionen wie Sorge, Wut oder Traurigkeit die Menschen plagen. Wie es scheint wollen sie eher helfen, als schaden zu zufügen. Ob man die Fälle in Japan als Märchen oder Fehlinterpretation sehen könnte, bleibt ihnen überlassen.

 

Der Fuchsgeist könnte aber auch eine Manifestation der Seele des Waldes sein. Vielleicht gibt es kaum noch Fälle von diesen gut willigen Geistern, weil es kaum noch Raum für sie gibt. Es gibt nur noch wenige urwüchsige Wälder und der Glaube an solchen “Ammenmärchen“ dürfte auch vergangen sein. Vielleicht sind die Seelen der Wälder, oder das, für was man sie hält, schon längst vergangen. Wenn man an etwas nicht glaubt, dann hat es keine Macht und zieht sich zurück. Es ist in unserer Zeit kaum noch Platz für solche Geister.

 

 

Carsten

17.11.2013

Hörbericht


Die Hundemenschen und andere kuriose Begegnungen auf Reisen

Wenn man den alten Berichten von Marco Polo und anderen Reisenden Glauben schenkt, wimmelte es in historischen Zeiten nur so von Mischwesen in unbekannten Gebieten.

Das Bild hier zeigt einen der "Hundemenschen", die Marco Polo im 13. Jahrhundert gesehen haben will.

Die Angst, die ein Mensch gegenüber dem Unbekannten entwickelt, äußerte sich in der Vergangenheit in Sagenwelten und Erzählungen. Heute ist es für Menschen einfacher, sich vor unerklärlichen und unvorstellbaren Dingen durch Ablenkung zu “schützen“. Zur Antike gab es nicht allzu viele Ablenkungen, um sich erfolgreich die unbekannte Welt dort draußen auf Distanz zu halten. Vielen, aus dieser Zeit stammende Ammenmärchen, merkt man die damalige Ungewissheit über das Unbekannte an. In der Antike wurden unbekannte Gebiete und abgeschottete Länder Opfer dieser unheilvollen Gerüchte.

 

In einigen Teilen hat die griechische Sagenwelt der Vergangenheit dazu beigetragen, sich vor Unholden und Ungeheuern in menschlicher Gestalt zu hüten. Es vermischten sich die Wahrheit und die Sagenwelt zu einem Cocktail, die am Ende eine Welt darstellte, die es nie gegeben hat. Fabelwesen entstanden, wie die Hundemenschen und andere Wundervölker, die sich am Rande der damaligen Zivilisation herumtrieben. Zu dieser damals existierenden Welt gehörten nur 3/5 von Europa, Teile des Orients, Nord-Indien und Nord-Afrika. Indien und Libyen waren “am Rande der Welt“. Und genau in diesen Gebieten sollten sich Mischwesen aller kurioser Formen herumtreiben.

 

Der erste nachgewiesene Bericht stammte von Hesiod, der vor 700 v. Chr. lebte und als bekannter Dichter der griechischen Antike galt. Er erwähnte wie „Hemikynes“ (Halbhunde), die angrenzenden Gebiete von Norden her terrorisierten. Einen genaueren Erklärungsversuch unternahm Herodot von Halikarnassos (geb. 480 v. Chr.). Er beschrieb wie im östlichen Teil Libyens grässliche, unnahbare und unmenschliche Mischwesen ihr Unwesen trieben. Er stellte diese anscheinend intelligenten, aber menschenunwürdigen Lebewesen mit Tieren auf einer Stufe.

Auch Ktesias von Knidos (Verfasser von “Persiká“ und “Indiká“) fand Erwähnung zu diesen Geschöpfen. Er erzählte in seinen Schriften von Mischwesen wie Skiapoden (Schattenfüßler) und Blemmyer (Kopflose). Diese waren angeblich im damaligen Libyen und Ägypten heimisch. Von Knidos beschrieb außerdem, dass in Indien die Hundemenschen ebenfalls ansässig wären.

 

Es gibt viele weitere Quellen der griechischen Mythologie, die ebenfalls behaupten, dass diese Wesen existiert haben. Reale Beweise gibt es nicht, nur Erzählungen. Die meisten Wissenschaftler, die sich mit diesen Thema befasst haben, halten die Erzählungen für Modifikationen der griechischen chthonischen Lehre, die die Erde im Mittelpunkt der Welt stellt. Bevor in diesem Bericht weiter auf das Wesen und die Fähigkeit der Unmenschen eingegangen wird, ist es noch erwähnenswert, dass auch nach der Antike angenommen wurde, dass es diese Wesen geben muss.

 

In einem Bericht von Marco Polos Reisen im 13. Jahrhundert, finden die Hundemenschen wiederholt Erwähnung. Hier als aggressives aber zivilisiertes Volk, dass ihr Leben durch Beutezügen finanziert. John de Mandeville will ebenfalls hundeköpfige Menschen gesehen haben. Sie sollen auch in Gruppen aufgetaucht sein und über Menschen hergefallen sein. Die Blemmyer kamen in seinen Schriften ebenfalls zu Geltung. Noch lange Zeit später erzählten sich Abenteuer und Forscher, dass diese Missgestalten die Randwelt bevölkerten. Bis zu der Vorzeit der Aufklärung waren die ungeheuren Menschen noch in den Köpfen der Menschen präsent.

 

Nun zu den Eigenschaften, die die Wesen gehabt haben sollten:

  

Hundemenschen (Kynokephale): Diese Geschöpfe sind nicht mit den Werwölfen zu verwechseln! Der Kynokephale wird so beschrieben: besitzt spitzen Hundekopf, hat eine schlanke Statur, sein

“Fell“ ist gräulich.

 

Im Gegensatz zum Menschen schaut er meist geneigt, mit der Schnauze nach unten. Sie Sprechen nicht miteinander, sondern bellen, um sich untereinander zu verständigen. Der Kynokephale trägt nach den Beschreibungen der griechischen Mythologie keine Kleidung. Er ist meist mit einem Speer oder eine Keule bewaffnet und trägt einen Schild. Nach dem 9. Jahrhundert durchlebt diese Menschenform anscheinend eine Veränderung. Nun tragen sie feine Gewänder, in den schönsten Farben. Sie scheinen sich vom Verhalten her verändert zu haben, denn nun werden sie in Gruppen gesichtet. Sie überfallen meist Karawanen von Händlern und Bauern. Töten die Besitzer der Güter und treiben selbst Handel untereinander.

 

2.

 

Schattenfüßler (Skiapoden): Menschenähnliche Gestalten, die nur einen riesigen Fuß besitzen, der mindestens so groß sein soll, wie der Brustkorb und der Unterleib zusammen. Der Skiapod soll ein sehr ungepflegtes Erscheinungsbild besessen haben. Der ab normal große Fuß dient den wilden Menschenwesen als “Sonnenschirm“ und “Regenschirm“. Mit ihm konnte es auch sehr schnell “rennen“ (wohl eher hüpfen). Die Gestalt des Schattenfüßlers hat sich im Laufe der Geschichte nicht verändert. Sie sollen unter anderem auch Menschen, Frösche und Aas gegessen haben.

 

3.

 

Kopflose (Acephale/ Blemmyer): Verstörende Menschenartige Wesen, die laut alten Schriften öfters in Gruppen auftraten. Sie besaßen keinen Kopf, dafür war ihr breites Gesichtsfeld auf der Brust. Der Oberkörper wurde sehr oft als eckig und breit beschrieben. Meistens wurden diese Gestalten als intersexuelle Wesen gesichtet, die sich mit jedem Artgenossen fortpflanzen konnten. Sie waren zu jeder Tageszeit mit Stöcken und Knüppeln bewaffnet. In fast allen Schriften, wo sie Erwähnung fanden, beschrieb man sie als primitiv und dumm. Die Gruppen sollten auch der Sage nach untereinander Krieg geführt haben. Die Kopflosen verspeisten Menschen, Wild und ihre eigenen Artgenossen.

 

Nach der langsamen Aufdeckung der Weltkarte stellte sich natürlich heraus, dass es diese Wundervölker nie gab. Aber ist es interessant zu sehen, was Unwissen und alter Glauben für Fantasien hervorbringt, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Die Philosophen, Dichter und Forscher, die diesen Legenden auf dem Leim gegangen sind, kann man dennoch nicht als Lügner entlarven. Denn es könnte im Bereich des Möglichen liegen, dass sie einfach Menschen angetroffen haben, die durch Inzest und rituelle Verstümmelungen Entstellt wurden. Man kann also annehmen, dass viele Faktoren hier zusammentrafen, die diese fantastischen Wesen erschaffen ließ. Und auch heute noch werden Menschen geboren, die man in abergläubischen Regionen der Welt für Götter oder Boten des Schicksal hält und das nur, weil sie anderes aussehen als normale Menschen.

 

 

Carsten

26.10.2013

Hörbericht


Die grünen Kinder von Woolpit

 

   Eher grau und schlicht ist das Ortszeichen von Woolpit gehalten. Rechts ist ein Wolf zusehen und in der Mitte eine Kirche, die in die Höhe ragt. Eine große Zahl prangt unter der Abbildung: 1977. Doch eines sticht besonders ins Auge. Zwei grüne Kinder sind ebenfalls darauf zu sehen. Sie halten sich an den Händen und wirken etwas fehl am Platz. Doch wieso sind die Kinder grün?

Bei der Kirche auf der Abbildung handelt es sich um die Church of St. Mary aus dem Ort. Der Wolf und auch die grünen Kinder gehören zu der berühmten Legende von Woolpit. Diese Legende wurde von Abt Ralph von Goggleshall im 13 Jahrhundert niedergeschrieben (der Vorfall selber, ereignete sich bereits im 12 Jahrhundert).

 

Damals hob man Gräben aus und legte über die Öffnungen Zweige, Äste und Blätter. Die Öffnung war damit nicht sichtbar und so entstand eine Falle für Raubtiere, vor allem aber für Wölfe. Die Gräben hob man um das Dorf herum aus und jeden Tag kontrollierte man diese. Umso erstaunter waren die Dorfbewohner, als man zwei grüne Kinder in der Grube entdeckte. Völlig verängstigt und aufgelöst, trugen sie Kleidung von seltsamer Natur und keiner der Dorfbewohner hatte je zuvor solche Kleidung gesehen. Die Haut der Kinder war grün und sie sprachen eine völlig unbekannte Sprache.

 

Die Dorfbewohner wussten sich nicht anders zu helfen und brachten die verängstigten Kinder zunächst einmal in das Haus des Landbesitzers. Danach versuchten sie, vergeblich, den Kindern etwas zu essen zu geben. Was auch immer sie ihnen auf den Tisch setzten, alles lehnten sie, durch ein energisches Kopfschütteln, ab. Nach wenigen Tagen, die Kinder waren schon schwach und mager geworden, stelle eine Bauersfrau einen Topf voll roher, grüner Bohnen auf dem Tisch. Diese sollten fürs Mittagessen gekocht werden. Sogleich fielen die Kinder gierig über die Bohnen her. Von da an gab man ihnen täglich grüne Bohnen zu essen. Doch der kleine Junge schaffte es nicht. Er war schon zu schwach und nur einige Wochen nach dem Fund der Geschwister, verstarb der Junge. Das Mädchen aber gedieh prächtig. Nach Jahren verblasste ihre grüne Hautfarbe. Sie aß nun auch andere Lebensmittel und bald sah sie aus wie jede andere junge Frau in Woolpit. Außerdem lernte sie die Sprache der Bewohner und konnte bald darauf ihre Geschichte erzählen. 

Sie kamen von weit her. Ihr Land, in das sie bis dahin glücklich gelebt hatte, nannte sich St. Martin`s Land. Dort, so erzählte sie aufgeregt, schien niemals die Sonne. Am anderen Ende des Flusses aber, sahen sie immer das wunderschöne "Land des Lichts", so nannte sie es. Den Fluss konnte man, da die Strömung viel zu stark war, jedoch nicht einfach überqueren. Eine Tages hörten sie die Glocken der Kirche von Woolpit, aus einen dunklen Tunnel dringen. Die Neugier siegte und so gelangten sie in das "Land des Lichts".

 

Natürlich versuchten die Dorfbewohner, mit Hilfe des jungen Mädchens, den geheimen Durchgang zu suchen. Dies dauerte mehrere Tage. Jedoch vergeblich. Gefunden wurde dabei nichts.

Nun im Alter einer stattlichen jungen Frau, soll das Mädchen später einen Mann aus King`s Lynn geheiratet haben und führte ein glückliches Leben, im "Land des Lichts". Als sie starb, nahm sie die Geschichte mit ins Grab. Lediglich die Aufzeichnungen des Abtes zeugen noch von der alten Geschichte.

Es ist durchaus möglich, dass sich die Haut eines Menschen, durch verschiedene Nahrungsmittel, färben kann. Nehmen wie einmal die Geschichte von Christian Roschat, ein gebürtiger Schleswig-Holsteiner. Er nahm Medikamenten und mit diesen durfte er sich der Sonne, ohne Schutz, nicht direkt aussetzen. Der hohe Anteil an Carotin im Karottensaft, sollte ihn zusätzlich vor der Sonne schützen. Doch bald schon trank er zu viel pro Tag und schnell färbten sich seine Gliedmaßen orange-gelblich.

Ebenfalls sehr bekannt ist der Karottensaft dafür, dass durch dem Verzehr die Haut braun werden soll.

 

Die Hautfarbe der Kinder lässt sich dadurch durchaus leichter erklären und hat damit wenig Mysteriöses an sich. Wie sieht es jedoch mit dem eingeschränkten Verzehr von Lebensmittel aus? Nur Bohnen aßen die grünen Kinder. Eine Theorie dazu haben wir schon parat: es könnte daran liegen, dass die Kinder vielleicht einfach nichts anderes in ihrem „Land“ zu essen bekamen und Kinder sind nun mal sehr wählerisch. Was sie nicht kennen, wird dann einfach nicht gegessen.

 

Dennoch ist es seltsam, dass das Mädchen von einem Land ohne Licht erzählte. Natürlich gibt es Länder in denen das, für einige Monate im Jahr, durchaus vorkommt, aber durch einen Tunnel in ein anderes Land zu gelangen ist da schon etwas seltsamer. Außerdem erzählte das Mädchen, dass es in dem Land ständig dunkel war und die seltsame, aber durchaus luftige Kleidung lässt nicht auf ein Land im Schnee schließen. Wo also kamen die Kinder her?

 

Fand hier ein Experiment mit den Bewohnern des „immer dunklen Landes“ statt? Setzte man diese womöglich irgendwo aus und wollte beobachten was passiert? Doch wer sollte so etwas wollen und wer sollte etwas davon haben?

Forscher tun die Legende als einfaches Märchen ab. Ein Märchen, um das kleine Dorf berühmt zu machen. Übrigens: Elfen sollen ebenfalls grünliche Haut besitzen und Bohnen sind angeblich die „Speise der Toten“, aber das nur nebenbei.

Es gibt jedoch auch ein paar Theorien, die nicht gänzlich unmöglich erscheinen. So sollen die Kinder aus einer anderen Dimension zu uns gelangt sein oder das Volk der grünen Menschen lebte tief unter der Erde, in einer Höhle.

Eine einfach erläuterte und plausible Theorie ist die, dass das Mädchen einfach gelogen hat und sich etwas ausdenken musste. Vielleicht weil sie Angst bekam?

 

Man fand heraus, dass ein Graf, der ganz in der Nähe des Dorfes sein Anwesen hatte, die Vormundschaft von zwei kleinen Kindern hatte. Die Kinder waren Geschwister und es handelte sich um einen Jungen und einen Mädchen. Der Herr hatte wohl nichts für Kinder übrig. Er behandelte sie miserabel und war es Leid für die Kinder zu sorgen. Also versuchte er die Kinder, Stück für Stück und Tag für Tag, mit Arsen zu vergiften. Dies ging ihm wohl nicht schnell genug und so setzte er die Kinder einfach aus. Durch das Arsen könnte sich die Hautfarbe der Kinder grün gefärbt haben und womöglich waren die beiden in einem Kerker oder Höhle, unter dem Anwesen, eingeschlossen. Dort sahen und hörte sie, durch ein kleines Fenster, das „Land im Licht“. Für diese Theorie spricht ein entscheidendes Indiz. Das Mädchen erwähnte in keinster Weise andere Bewohner ihres Landes oder gar Eltern. Sie sprach immer nur von sich und ihrem Bruder.

 

Kinder können manche Dinge nicht verstehen oder nehmen Geschehenes anders auf, als ein erwachsender Mensch. Die Fantasie ist bei einem Kind noch sehr stark ausgeprägt und später schwindet diese vollkommen. Erwachsene wissen die Dinge beim Namen zu nennen und versuchen immer realistisch zu denken.

Vielleicht wusste das Mädchen einfach nicht genau wo sie sich befand und konnte so mit nicht erläutern, was eigentlich gerade mit ihr passierte. Später gab sie das geschehene, so gut sie eben konnte, wieder und im gewisser maßen wäre die Legende damit immerhin nicht völlig erfunden. Sie wäre lediglich mit den Worten eines Kindes erzählt worden und die Erwachsenen hätten einfach mal wieder viel zu viel nachgedacht.

 

 

Carolina
01.08.2013

Hörbericht


Gottes Wille

Bei einem Versprechen handelt es sich, laut Duden und Wikipedia, um eine verbindliche Zusicherung etwas Bestimmtes zu tun und etwas Verbindliches ist natürlich auch immer bindend oder? Doch besteht diese Bindung auch über den Tod hinaus? Und wie verhält es sich, wenn diese verbindliche Zusicherung mit Gott geschlossen wurde?

 

Montgomery , Wales  1821:

 John Davies, ein junger Farmer, wurde zum Tode verurteilt. Der Tot sollte durch Erhängen herbeigeführt werden. John war bis dahin ein eher unauffälliger Mann gewesen und sowohl die angebliche Tat als auch das Urteil überraschte die anderen Dorfbewohner. Keiner konnte sich vorstellen, dass John tatsächlich zwei Männer überfallen und ausgeraubt haben soll. Doch die Anklage war eindeutig. John stritt alles ab und gab das Geschehen folgendermaßen wieder:

 

Die zwei Männer überfielen John und raubten ihn aus. Dann schlugen sie ihn zusammen und schleiften ihn in das Dorf. Dort behaupteten die beiden Männer dann, dass John sie überfallen hatte und sie sich lediglich verteidigt hatten. Auch wenn John bis dahin nie etwas Verbotenes getan hatte und ein frommer Mann war, war er Engländer. Damals hatten die Waliser einen gewissen Hass auf Engländer und es dauerte nicht lange, da waren alle von seiner Schuld überzeugt.

 

Der zu Unrecht verurteilte beteuerte auf dem Gerüst des Todes nochmals seine Unschuld. Er sagte folgendes:"Ich bin unschuldig. Und ich sterbe mit der Bitte, Gott möge meine Unschuld beweisen, indem niemals Gras auf meinem Grab wachsen soll."

 

Mit diesen letzten Worten starb er. Später wurde er einfach in eine unbedeutende Ecke des Friedhofs beerdigt. Doch sein Grab, war mit Abstand dennoch das auffälligsten auf den ganzen Friedhof. Warum? Tatsächlich wuchs auf seinem Grab nie auch nur ein Grashalm. Die Leute im Dorf bestaunten das Ereignis und bald kam das Gerücht auf, dass der Mann vielleicht doch unschuldig gewesen war. Was hatte er noch mal gesagt? Gott möge seine Unschuld beweisen? Wachte Gott über das Grab von John Davies?

Nein, das war sicher nur ein Zufall. Er musste schuldig sein. Die Behörden hätten ihr falsches Urteil nie zugegeben und so versuchten sie den Aberglauben zu verhindert und die Behörde ordnete an, eine Grasfläche auf dem Grab auszulegen. Doch so schnell das Gras gewachsen war, so schnell vertrocknete es auch wieder. Danach versuchte man den Boden direkt aufzugraben und Gras dann zu säen. Aber auch dieser Versuch schlug fehl. Das Gras wuchs erst gar nicht. Also beließ man es dabei.

 

Im späteren Zeitalter sollte der Friedhof einer Straße weichen und so machte man den Friedhof kurzerhand platt. Gärtner säten neben der Straße Grasflächen und legten kleine Wege an.

 

Doch die Fläche, unter der immer noch die Leiche des Farmers lag, blieb immer kahl. So sehr sich die Gärtner auch anstrengten, es wuchs nichts auf dem Grab. Man zog schließlich einen Eisenzaun um das Grab.

Noch heute soll in diesem eingezäunten Stück nichts wachsen.

Leider wurde der Farmer nie öffentlich für Unschuldig erklärt und der Vorfall wurde nie eingehender überprüft. Auch die beiden angeblich überfallenen Männer, wurden nie verurteilt oder genauer befragt.

 

Es ist fraglich, ob ein einzelner Mann je auf die Idee kommen würde, zwei Männer zu überfallen und auszurauben. Der Plan war schon vorher zum Scheitern verurteilt und John Davies wurde als vernünftiger Mann bezeichnet. Ich denke, dass einen die Wahrheit hier förmlich ins Gesicht springt, doch für die damaligen Verhältnisse war es gar nicht ungewöhnlich, dass man Gerüchten oder Vorurteilen mehr als Beweisen traute.

Hatte Gott dem Unschuldigen beim Wort genommen? Und ihm seinen letzten Wunsch gewährt, damit alle sahen das er wirklich unschuldig war? Oder ist das alles am Ende eine kahle Lüge?

 


Carolina
26.02.2017

Hörbericht