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Überblick

 


Der Rattenfänger von Hameln

Eine der wohl bekanntesten und ältesten Sagen aus Deutschland:

Der Rattenfänger von Hameln.

Die heute große Stadt Hameln, befindet sich in Niedersachsen und ist nahe der Weser (großer Fluss) gelegen.

 

Das damals kleine Dorf Hameln wurde 1284 von einer großen Rattenplage heimgesucht. An sich, für die damaligen Verhältnisse und den Wissensstand, nichts ungewöhnliches, doch wo eine Vielzahl von Ratten ihr Unwesen treibt, sind auch schon bald Krankheit und Tod zu Hause. Die Bewohner setzten eine Belohnung für denjenigen aus, welcher es schaffte das Dorf von den Nagetieren zu befreien. Der wunderliche Mann, welcher sich auf den Aushang meldete, war schon sehr ungewöhnlich für die Dorfbewohner. Daran war wohl sein Aussehen schuld. Das Obergewand, welches er stolz trug, schien aus einem vielfarbig leuchtenden Tuch zu bestehen. Auch sein spitzer Hut und seine ebenfalls spitzen Schuhe, erstrahlten in denselben, unbestimmten Farben. Er gab an, dass er ein Rattenfänger sei und sich um das Problem kümmern wolle.

 

Die Dorfbewohner sagten ihm die Belohnung zu und so holte er eine lange, außergewöhnliche Pfeife hervor und spielte eine wunderliche Melodie darauf. Zu gleich kamen die Ratten und Mäuse in Scharen zusammen und es schien, als würden diese der Melodie gebannt lauschen. So ging er, die Nagetiere im Schlepptau, zu dem Fluss herunter und alle Plagegeister stürzten sich in die Weser und ertranken.

 

Die undankbaren Dorfbewohner jedoch, weigerten sich ihm seine verdiente Belohnung zu zahlen und so begann der Rattenfänger erneut auf seiner Pfeife zu spielen. Doch diesmal versammelten sich keine Ratten und Mäuse um ihn herum, sondern die kleinen Kinder des Dorfes kamen und lauschten seiner Melodie wie gebannt. So zog er erneut von dannen und alle Kinder folgten ihm.

 

Er führte sie hinaus aus dem Dorf, nach Osten auf einen Berg namens Koppen. Der Berg öffnete sich als der Rattenfänger mit den Kindern näher kam und schloss sich hinter ihnen. Der Sage nach, sollen nur zwei Kinder übrig geblieben sein. Sie verspäteten sich und entkamen so dem Schicksal der verschollenen Kinder. Doch erzählen oder zeigen konnten die den Dorfbewohnern das geheime Tor nicht. Der eine Knabe erblindete kurz nachdem sich das Tor schloss und der andere Knabe wurde stumm. So konnte das Tor niemals gefunden werden und die 130 Kinder aus dem Dorf, waren für immer verschwunden.


So endet die Sage um den Rattenfänger von Hameln. Doch viele Fragen bleiben.

 

Sollte diese Sage lediglich eine böse Warnung sein, an diejenigen die ein Versprechen brachen?

 

Viele Historiker glauben, dass die Sage auf einer wahren Begebenheit beruht. In Hameln erinnert noch die Bungelosen Straße an das grausame Ereignis. Die Kinder sind dabei angeblich, durch die besagte Straße, gelaufen. Seit diesem unglaublichen Vorfall, wurde es verboten, in dieser Straße überhaupt noch irgendwelche Musik zu spielen.

 

Es gibt eine Theorie zu dem Rattenfänger.

 

Man sagt das der Rattenfänger ein Graf (Nicholas von Spiegelberg) gewesen sein soll und die Kinder bloß unzufriedene Jugendliche. Außerdem sollten sie nicht in einem Berg verschwunden sein, sondern auf einem Schiff davon gesegelt sein, dass jedoch nie sein Ziel erreichte und unter ging. Alle Passagiere sollen dabei ums Leben gekommen sein. Es sank angeblich nahe Pommern bei einem Dorf namens Kopahn. Im Lauf der Jahrhunderte soll so der Name Kopahn mit dem Namen Koppen (dem Hügel hinter Hameln) verwechselt worden sein und so entstand die Legende mit dem Hügel, in dem die Kinder mit dem Rattenfänger verschwanden.

 

Was genau passiert ist, könnte uns wohl nur ein Kind oder der Rattenfänger selber berichten. Doch dies dürfte leider unmöglich sein.

 

Eine interessante Frage zu dem Vorfall wäre, warum bis heute in der Bungelosen Straße noch immer jegliche Musik verboten ist. Wenn nichts an der Legende dran wäre und es sich lediglich um eine harmlose Sage handelt, warum ist dann, bis heute, die Musik gerade dort verboten?

 

Mysteriös und ein wenig grausam ist es allemal. Denn der Rattenfänger hätte auch einfach neue Ratten in die Stadt schicken können, anstatt gleich die Kinder mitzunehmen oder?

 

 

Carolina

16.07.2013

Hörbericht


Falscher Schwur von Christian Friedrich von Kahlbutz

 Lügen.
Es gibt dazu viele Sprichwörter, die wir nur allzu gut kennen. Da wäre zum Beispiel, „Lügen haben kurze Beine“ oder „Wer einmal lügt dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht“. Aber das sind nur einige von vielen. Manchen ist jedes Mittel recht, um nicht als Lügner enttarnt zu werden. Die einen fangen bitterlich zu weinen an und schieben dem Unschuldigen die Schuld in die Schuhe oder andere schwören sogar, dass sie nichts damit zu tun haben. Doch man sollte nie auf den lieben Gott schwören, denn der sieht und weiß alles und Gott sorgt dafür, dass man am Ende seine gerechte Strafe bekommt.

Auch in diesem Bericht, spielt ein größer, böser Lügner eine Rolle und Gott. Doch fangen wir dazu von vorne an.

Christian Friedrich von Kahlbutz, ein deutscher Edelmann und Ritter. Geboren 1651 und gestorben 1702 (wurde 52 Jahre alt). Es hieß,  in seiner damaligen Zeit sei er ein Tyrann gewesen. Er bestand immer auf das Recht des Feudalherren. Doch um was genau handelt es sich bei diesem makaberen Ritual? Bei diesem Recht, welches es damals  gab und was einem Ritter bzw. Edelmann nicht verwehrt werden durfte oder wo er drauf bestehen konnte, war das Recht der sogenannten ersten Nacht. Wenn seine Untergebenen eine Frau heirateten wollten, musste der Herr zunächst sein Einverständnis geben und dann durfte er, vor dem eigentlichen Ehemann, den ersten Beischlaf mit der Braut vollziehen. Meist ging der Edelmann dabei nicht sanft mit der Frau um und meist war die Frau ebenfalls noch Jungfrau. Der Herr hatte also das Recht, die Braut in der Hochzeitsnacht zu entjungfern oder wie man es heute ausdrücken würde, zu vergewaltigen.

Eine Frau jedoch wehrte sich und war ganz und gar nicht erpicht auf diese Nacht. Sie wies  ihn zurück und wehrte sich vehement gegen diese erste Nacht mit dem Edelmann. Darauf hin, so besagt es die Legende, habe er den Verlobten, der liebliche Frau, aus Rache und Wut brutal erschlagen. Der Fall kam vor Gericht, doch aufgrund seiner eidlichen Aussage, seinem Stand und aufgrund er fehlenden Zeugen, wurde Kahlbutz ohne Strafe freigesprochen. Doch bevor er den Gerichtssaal verließ, soll er folgendes geschworen haben:,, Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen.“ Und Gott nahm ihn beim Wort.

Denn als Christian Friedrich von Kahlbutz starb, wurde er in einer Kirche bestattet. Als man 90 Jahre später die Kirche renovieren wollte, stieß man auf den Sarg des früheren Edelmannes. Man öffnete seinen Sarg und zum Erstaunen aller, war sein Körper unversehrt und nicht verwehst. Bis heute nicht.

Man führte eine Autopsie durch, da man glaube, der Edelmann sei einbalsamiert worden, doch bei der Autopsie stellte sich heraus, dass man kein künstliches Mumifizierungsverfahren angewendet hatte.    

Am Ende hat Gott seinen Schwur wohl nicht vergessen und dem Edelmann beim Wort genommen. So konnte man am Ende doch noch sehen, dass er ein Lügner war und ihm jeder Schwur, sogar auf Gott, recht war, um nicht als Lügner enttarnt zu werden. Wäre es anders gelaufen, hätte er Gott da nicht mit hinein gezogen?

Wieso sollte ein Körper sonst eben nicht verwesen und das ganze ohne Hilfsmittel? Dies ist doch eher ungewöhnlich und sehr unwahrscheinlich. Bis heute fängt der Körper nicht zu verwesen an und auch bei der neusten Autopsie, konnte man keine künstlichen Mittel bei dem Toten feststellen. 

Oder ist am Ende eine Legende doch bloß eine Legende? Doch oft, befindest sich in jeder noch so großen Legende, auch ein Fünkchen Wahrheit wieder.

 

 

Carolina
05.04.2015

Hörbericht


Der Aufhocker

 Ein uralter und schon fast vergessener Volksglaube aus Deutschland. Haben Sie schon einmal etwas von einem Aufhocker gehört?


Den Aufhocker nennt man auch Huckup oder Hockauf. Es handelt sich hierbei um einen Druckgeist. Doch was genau ist eigentlich ein Druckgeist?


Von einem Druckgeist spricht man, wenn man auf einmal eine schwere Last auf einen spürt. Man hat das Gefühl, etwas oder jemanden zusätzlich zu tragen. Als würde etwas Unsichtbares mit seinem ganzen Gewicht an einem hängen. Nicht selten bleibt einem dabei sogar die Luft weg. So schwer spürt man das Gewicht auf einem.

Man glaubte, dass der Aufhocker Wanderern auflauerte und auf sie drauf sprang.  In anderen Erzählungen wird diese Sage noch ausgeschmückt und so wird erzählt, dass der Aufhocker sich zunächst als Hund oder alte Frau ausgab und sein gutgläubiges Opfer begleiten wollte. Dann wächst der böse Druckgeist und springt schließlich auf den Wanderer auf. Meist geschah dies in der Nacht und der Druckgeist lauerte nur an bestimmten Stellen. Er wartete an Bächen, Kreuzwegen, Brücken, Friedhöfen, Hohlwegen oder Wäldern. Das Opfer spürt das Gewicht des Aufhockers, welches mit jedem Schritt wuchs und erschwert so das Vorankommen des Wandersmann. Dies ging bis zum Zusammenbruch oder noch schlimmer, bis zum Tod des Opfers. Mit bloßer Gewalt oder einfachen Tricks wurde man den Aufhocker nicht so einfach los. Der neu hereinbrechende Tag, bis zum Hals in tiefes Gewässer gehen, Hundegebell oder ein langes und aufrichtiges Gebet sollten angeblich helfen.

Doch auch damit war der Aufhocker oder mehr gesagt seine Folgen, noch nicht beseitigt. Wenn man Glück hatte und vom Aufhocker nur völlig entkräftet war, würde man nach diesem Vorfall zusätzlich auch noch krank. Dies war natürlich die Schuld vom Hockauf und gegen die Krankheit konnte man nichts tun. Viele starben, so sagt man sich.

Orte, an dem so ein Aufhocker schon mehreren Wanderern aufgesprungen war und diese tatsächlich danach verstorben waren, mied man. Man machte einen großen Bogen um diese Wege.

 

Doch auch der Aufhocker hatte Vorlieben. Am liebsten soll er Wegelagerern und Dieben aufgehockt haben. Und bei denen Half kein besagtes Ritual. Von diesen Gaunern ließ er erst wieder ab, als die bösen Buben ihr Diebesgut an den ursprünglichen Eigentümer zurückgaben.

 

Die Angst vor dem Aufhocker, soll sein Ursprung jedoch bei den Wiedergängern, also wandelnden Leichen oder wie man heute sagen würde, Zombies haben. Diese sollen den Menschen nach und nach die Lebenskraft entzogen haben. Erst später sprach man dann bei dem Aufhocker von einem Kobold oder (Druck)Geist.

In jeder Mythologie soll immer auch ein Fünkchen Wahrheit stecken. Die damaligen Menschen, verarbeiteten das Geschehene einfach nur anders. Oder hatten sie einfach zu viel Fantasie? Aber macht Fantasie das Leben nicht auch ein wenig aufregender und schöner?

 

 

Carolina
14.07.2015

Hörbericht


Mythen und Legenden aus unserer Umgebung (Eutin)

Jede Region hat ihre Sagen und Legenden. Ob an diesen was wahres dran ist oder sie einfach nur Lehren darstellen sollten, bleibt im dunklen der Vergangenheit verborgen. Auch um und in unserer Heimatstadt sollen merkwürdige und unheimliche Kräfte ihr Unwesen treiben, weshalb wir es uns auch selbstverständlich hier nicht nehmen lassen einen Bericht darüber abzuhandeln. Hier also ein paar Auszüge, die so laut Überlieferung geschehen sein sollen. Viel Spaß.

 

Die Eiche auf dem Galgenberg

 

Auch in der Umgebung von Eutin sollen Hexen ihr Unwesen getrieben haben. Eine Zeit lang so stark, dass die Obrigkeit, um ein Exempel zu statuieren, verdächtige Frauen und Männer hinrichten ließ. Eine alte Frau in Eutin, sie war arm, hässlich und einsam, wurde von ihren Nachbarn der Hexerei beschuldigt. Gründe hierfür waren ein schwarzer Kater, der von ihr freundlich behandelt wurde und nächtliches Husten und Keuchen. Die Alte wurde eingezogen und war praktisch des Todes. Die Wasserprobe auf dem großen Eutiner See bewies ohne Zweifel ihre Schuld, den sie trieb über Wasser. Sie beteuerte hoch und heilig ihre Unschuld, ohne dass sie jemand anhörte. Auf dem Galgenberg versammelte sich eine große Schar Menschen, wo die alte Frau hingerichtet werden sollte. Gestützt auf ihrem kleinen, krüppeligen Stock ging sie den Berg hinauf und sagte:

 

So wahr Gott weiß, dass ich unschuldig bin, so gewiss wird er euch ein Zeichen davon geben diesen Stock grünen lassen!“

 

Sie rammte den Stock in den Boden, wurde zum Galgen geführt und litt den Tod. Kurz darauf grünte der Baum, überlebte den Winter, und wurde jedes Jahr größer und größer, bis er zu einer stattlichen Eiche heranwuchs. In der ganzen Gegend wurde der Baum zum Zeichen der Unschuld. Als der Berg durch Abtrag dezimiert wurde, fiel die Eiche um und ging ein. Darauf hin wurde der ganze Hügel abgetragen.

 

Die weiße Frau auf dem Sandfelde

 

In Eutin lebte einst eine reiche, schöne, aber übermütige Dame, um deren Hand sich alle jungen Leute der Gegend bewarben. Jeden wusste sie durch ihre Reize anzulocken, und jeder glaubte einmal der Glückliche zu sein, der sie bekam. Jedoch verspottete sie jeden und verwies ihn. Zwei Brüder kämpften besonders hart um die schöne Braut. Wenn die Maid einem von beiden mehr zu tat, als den anderen, wurde dessen Eifersucht und Ehrgeiz noch heftiger erweckt. Auf der Jagt sorgte eine böse Macht dafür, dass sie sich gegenseitig erschossen. Da wurde es dem kinderlosen Vater der Dame zu wild und verwünschte sie von der Erde. So verschwand sie vom Antlitz dieser Welt.

 

Wer aber nachts über das Sandfeld zwischen Eutin und Stendorf kommt, dem erscheint sie in langer weißer Kleidung; sie ist noch ganz die schöne, reizende Gestalt wie früher, und mit sehnsüchtigen Blicken ladet sie jeden zum Kusse ein. Wer aber sich ihr nähert, vor dem verwandelt sie sich plötzlich, und ein Scheusal von verwestem Ansehen und tot leuchtenden Augen steht vor ihm. Sie wird jedoch so lange auf dem Sandfelde irren müssen, bis es endlich einer wagt, sie zu küssen.

 

Düster und authentisch aus der Zeit. Es sind regionale Legenden wie diese, die uns lehren sollen zu hinterfragen, nicht zu eitel zu sein. Es hat was wie aus Gebrüder Grimms Märchensagen. Jede Gegend hat sie, seien sie vergessen oder bis in unsere Zeit gerettet.

 

 

Carsten

24.09.2016  

Hörbericht


Mythen und Legenden aus unserer Umgebung (Lübeck)

Mit der Hansestadt Lübeck verbinden uns viele Ereignisse aus frühen Kindertagen. So ist es dann nicht weiter überraschend, dass wir uns in diesem Bericht mit ein paar Mythen und Legenden der Lübecker Umgebung auseinandersetzen. Wie bereits im Text, in dem es um Eutin ging, kann man auch hier auf eine Menge Schabernack und Lehren treffen. Viel Spaß bei den Entdeckungen unserer kleinen Sammlung.

 

Räuber Papedöne

 

Am Ratzeburger See, der von einem großen Wald umgeben ist, befindet sich an der Ostseite des Ufers eine Höhle. Hier hauste der starke Halunke Papedöne. Dieser überfiel allerlei Reisende, die sich auf der Durchreise nach Lübeck oder Wismar befanden. Die bemitleidenswerten Seelen wurden vom Räuber in die Höhle verschleppt und mit einem Stein der Schädel eingehauen. Auch viele Frauen erschlug er, nur eine verschonte er. Sie war die junge Tochter eines wohlhabenden Lübecker Kaufmanns. Papedöne lebte mit ihr in der Höhle des Ratzeburger Sees und zeugte mit ihr mehrere Söhne. Doch die trostlose Mutter musste ertragen, dass der Vater solange mit den Kindern umher tollte, bis diese zu Tode kamen. So gern wäre die junge Frau wieder zurück zu ihren Eltern gelangt, da ihr die Nachricht zukam, ihr Vater sei todkrank.

 

Sie bettelte ihren unsäglichen Mann an, sie für eine Woche heim gehen zu lassen. Unter der Bedingung, dass sie nach 8 Tagen zurückkäme, willigte Papedöne ein. Er brachte sie bis vor die Tore der Stadt, wo er sich wegen all den Vergehen gegen die Bevölkerung nicht blicken lassen konnte. Eltern und Schwester waren über das unverhoffte zurückkehren ihrer Tochter sehr glücklich. Auch regte sich im Vater die Lebenskraft, sodass er als bald wieder gesund war. Die Familie feierte viel und erfreute sich ihrer neuerlichen Vereinigung.So aber brach der Tag der Abreise an. Die Räubersfrau ging mit ihrer Schwester zu einem Opferstein, unweit der Stadt Lübeck. Dieser galt als heidnisch und heilig zugleich. Nach dem Beten der Trauernden musste die Schwester den Ort verlassen.

 

Die unglückliche Kaufmannstochter teilte ihren großen Kummer mit dem Stein. Ihre Schwester jedoch hörte alles mit und lief mit der schlimmen Wahrheit zum Stadtrat. Die Räubersfrau kehrte zu ihren geliebten Mann zurück. Im Schlepptau Häscher der Stadt Lübeck. Sie überraschten den grausamen Ganoven bei Schlaf, nahmen ihn gefangen und flochten ihn auf das Rad. Seine verwirrten Frau gab man in ein Kloster, wo sie Buße tun sollte. Sie betete für ihre unschuldigen Kinder, aber nicht für ihren fürchterlichen Mann. Die Seele des Räubers konnte darauf nicht zur Ruhe kommen und stellte der Frau als hundeähnliche Bestie nach. Um Zwölf erschien er ihr, mit funkelnden Augen und glutroter Zunge und tötete sie. Der Sage nach erscheint er sogar bis heute zu Mitternacht in seiner Höhle am Ratzeburger See, um Leuten nachzustellen, die sich zu dieser Zeit in der Nähe seiner Behausung befinden.

 

Die alte Mordkuhle

 

Wir schreiben das Jahr 1351, als sich folgende tragische Geschichte ereignet haben soll. Zwischen Schlutup und Daffow stand einst auf einen nun öden Fleck ein gut besuchtes Gasthaus. Da es in der Nähe eines Tannenwäldchens lag, war es unter dem Namen Tannenkrug bekannt. Die Leute gingen ein und aus an Sonn- und Werktagen, um ihr anstrengendes Leben in Saus und Braus zu erheitern. Dies wurde vom Abt des Ortes alsbald kritisch verfolgt. Selbst der schwarze Tod machte die Besucher des Hauses nicht weniger treibsam. Sie erlagen nicht der Pest, was aber allgemein nicht als Gottessegen, sondern als Teufelswerk betrachtet wurde.

 

Da zog eines Sonntags, als in der Schenke wild getanzt und gezecht wurde, der fromme Abt aus Schultup mit einem Kollektebeutel vorüber, um für einen sterbenden Mann die letzten Gaben zu sammeln. Er läutete an der Tür der Schenke und bittete um einen kleinen Taler. Der Heilige kniete nieder, um seinem Wunsch Ausdruck zu verleihen. Aber die angeheiterten Gäste lachten ihn nur aus und sagten ihm, dass er sich zum Teufel scheren sollte. Der Abt wollte wieder von dannen ziehen, als doch ein Bauer aus dem Haus trat und ihm eine Kleinigkeit gab. Da krachte ein gewaltiger Donner aus dem Nichts auf das Gasthaus nieder und zermahlte alles, was sich in diesem befand. Seitdem ist an diesem Ort nur eine kahle Grube zu sehen, die den Namen Mordkuhle trägt.

 

Fressteufel

 

Einem Wirt, der seiner Arbeit in der Burgstraße nachging, erschien eines Tages ein Mann aus der Umgebung Lübecks. Dieser gab eine Bestellung auf für viele Personen, die er zum Abendessen einlud. Der Inhaber gab zu essen, wie ihm befohlen, doch niemand anderes kam. Der einzige Besucher setzte sich, und zur Verwunderung des Wirtshausbesitzers schlang der Mann ganz allein alle Teller leer. Der urige Mann fragte nach der Bezahlung des Mahles doch der Inhaber war ein kluger Mensch und forderte den Besucher zu einer Wette auf. Diese sah vor, dass der gefräßige Bursche zur gegebenen Zeit herbeikam, wenn die Schiffer aus Skandinavien an den Hafen anlegten.

 

Als ein paar Tage später ein großes Handelsschiff aus Schweden herbeifuhr, war der Wirt vor Ort, um sich neue Vorräte einzukaufen, die er seinen Gästen anbieten konnte. Der Schiffbesitzer besaß vor allem Butter und Fisch auf seinem Kahn. Der Wirt wollte unbedingt die Butter erwerben. Er machte die Butterfässer unnötig schlecht, um den Preis nach unten zu treiben, was den Schiffer sehr erzürnte. So schlug der Wirtshausbesitzer folgenden Deal vor. Wenn er einen Menschen fand, der ein Fass Butter ganz Alleine verspeiste, so solle er die gesamte Ladung des Schiffes erhalten. Wenn er es nicht schaffte, so erhielt der Erboste das Wirtshaus.

 

Der Händler schlug ein und der Wirt ging fort, um kurz darauf mit dem Vielfraß wieder aufzutauchen. Dieser machte sich sogleich an die Arbeit, den Inhalt des Fässchens hinunterzustürzen. Schockiert nahm der Schiffer und die Schaulustigen das Geschehende zur Kenntnis. Der Wirt erhielt seine Waren, wurde aber von allen Händlern von nun an gemieden. Den immer hungrigen Mann verjagte man aus der Stadt Lübeck, da er zu Lasten der Bevölkerung unnötig viele Vorräte verspeiste . Der Vielfraß schreitete aus der Stadt und wurde nimmer gesehen...

 

 

Carsten

18.11.2018

Hörbericht


Die Unterirdischen

[Bild: www.pixabay.com]
[Bild: www.pixabay.com]

Die Unterirdischen. Ein sagenumwobenes Volk, welches sein Ursprung im Norden Deutschlands findet. Wie der Name schon verrät soll dieses Volk, seit einem tragischen Vorfall, unter der Erde leben.

 

Die Sage beginnt wie folgt: Jesus Christus wandelte einst auf Erden und näherte sich schon bald einer einfachen Hütte. Darin hauste eine Frau mit ihren 10 Kinder. Fünf waren wunderschön und fünf waren äußert hässlich. So kam es, dass Jesus an die Tür der Hütte klopfte, um Einlass bat und wünschte die Kinder der Frau zu sehen. Ab hier gibt es zwei Versionen der Sage. Die Frau schämte sich so sehr für ihre fünf hässlichen Kinder, dass sie diese lieber vor Jesu verbergen wollte und diese in den Keller wegsperrte. Die andere Version besagt, dass die Kinder sich selbst so sehr schämten, dass diese sich nicht vor das Antlitz Jesu trauten. Sie verkrochen sich daher in den Keller. Also traten nun die fünf hübschen Kinder vor Jesus Christus. Der Herr fragte außerdem nach anderen Kindern. „Andere Kinder habe ich keine“, log die Frau. Daraufhin legte Jesus seine Hände auf die fünf Kinder, segnete diese uns sprach dabei: „Was drunten ist, soll drunten bleiben, was oben ist, soll oben bleiben“. Der Herr verließ die Hütte wieder und die Frau wollte nun nach ihren fünf übrigen Kindern schauen, um diese wieder aus dem Keller zu lassen. Doch ihre fünf hässlichen Kinder waren verschwunden und tauchten nie wieder auf. Seitdem sollen diese unter der Erde hausen, meist unter Grabhügel oder Hünenbetten. Aus Ihnen entstand das unterirdische Volk.

 

Die Unterirdischen haben verschiedenen Namen. Im dänischen Schleswig heißen sie Biergfolk, Ehefolk oder Unnervaestöi, auf Sylt Önnereske, auf Föhr und Amrum Önnerkänkissen und in Holstein Unnereske oder Dwarge. Alte Schüsseln, Schmuck oder sonstige Antiquitäten, welche man selten unter der Erde findet, sollen von genau diesem Volk stammen.

 

Auch heute noch sollen die Unterirdischen für kurze Zeit menschliche Frauen zu sich holen und damit entführen. Diese sollen dann wiederum die unterirdischen Frauen bei einer Geburt beistehen und helfen. War die Geburt erfolgreich und das Neugeborene gesund und munter, durfen die menschlichen Frauen wieder gehen. Sie erhielten als Dank Asche, Kohle, Späne oder sonstige wertlose Gegenstände. Nach einiger Zeit dann soll sich der wertlose Plunder in reines Gold verwandeln. Viele unwissende menschliche Frauen warfen die Gaben jedoch bereits vorher weg und erfuhren so nie von ihrem plötzlichen Reichtum.

Weiter heißt es, dass die Unterirdischen auch manchmal menschliche Kinder gegen ihre eigenen, hässlichen Kinder austauschen sollen.

 

Das Volk soll auch heute noch tief verborgen unter der Erde hausen. Natürlich gibt es für diese Sage keinerlei Beweise. Wie für alle Sagen und Legenden eben üblich.

 

 

Carolina

06.05.2019

Hörbericht